Gute Gedichte
Aber wenn man von guten Gedichten spricht, meint man im Allgemeinen Gedichte, mit einem philosophischen oder gesellschaftskritischen Hintergrund.
Wenn Sie gute Gedichte schreiben möchten, dann sollten Sie sich in erster Linie Gedanken über die Aussage machen, die Sie treffen möchten. Die Form tritt dabei in den Hintergrund, wobei bei einem richtig guten Gedicht auch Reimschema und Wortwahl gut durchdacht sind.
Einzigartige gute Gedichte
Eine tiefgründige Aussage ist der Kern für gute Gedichte. Das können Gefühle sein, Emotionen, große Wahrheiten oder einfach nur ein kleiner Gedanke, der Sie in Ihrem Alltag berührt hat.
Kinder
Sie sind die Samen,
Früchte unsres Lebens
Doch woll'n wir ihnen
Nicht nur Wurzeln,
Sondern auch Flügel geben.
Damit sie ihre Lieder
In den Wolken singen
Wie die Engel.
Endlichkeit
Wir lachen und weinen
Wir singen und schrein
Am Ende - Stille.
Wir reden und schweigen
Wir sinken und steigen
Am Ende - Stille.
Wir rennen und gehen
Wir hören und sehen
Am Ende - Stille.
Wir geben und nehmen
Wir denken und sehnen
Am Ende - Stille.
Wir leben in Zeit
Wir sind stets bereit
Zu enden - in Stille.
Sinken
Ich stand am Fenster,
die Sonne sank
berührte den Horizont
und -
mich.
Beliebte gute Gedichte
Was die Klassiker anbelangt sind gute Gedichte sehr schwer zu identifizieren. Die meisten Stücke sind gut und einige gefallen Ihnen vielleicht, weil sie Sie ganz persönlich berühren. Deshalb hier nur eine sehr kleine Auswahl.
Was es ist
von Erich Fried
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Hälfte des Lebens
von Friedrich Hölderlin
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.
Im Nebel
von Hermann Hesse
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Er ist's
von Eduard Mörike
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
Gute Gedichte sind nicht leicht zu finden und noch schwerer zu schreiben. Aber eins ist sicher: Die Mühe lohnt sich.
